Im Themenfeld über private Hochschulen arbeitet eine größere Zahl von Forschenden mit bestimmten, wiederkehrenden Begriffen, Definitionen und Einordnungen. Mit dem Glossar ist das Ziel verbunden, bereits verfügbares Wissen sowohl projektübergreifend als auch überzeitlich bereitzustellen und redaktionell zu pflegen. Die Pflege schließt die Mitwirkung der Projekte der laufenden BMFTR-Förderlinie „Forschung über nicht-staatliche Hochschulen“ ein. Eingegangene Kommentare werden nach redaktioneller Prüfung in die Glossarartikel eingearbeitet und neue Begriffe bzw. Konzepte ergänzt.
Vollständiges Glossar: Nichtstaatliche Hochschulen (Stand 03/2026)
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A
Akkreditierung
Zur Akkreditierung im Hochschulsektor zählen verschiedene mehrstufige Begutachtungsverfahren: die Programmakkreditierung, die Systemakkreditierung und die institutionelle Akkreditierung. Bei einer Programmakkreditierung bewerten vom
Akkreditierungsrat zugelassene Agenturen auf der Grundlage formaler Kriterien Bachelor- und Masterstudiengänge staatlicher oder staatlich anerkannter Hochschulen in Deutschland. Bei einer
Systemakkreditierung dagegen wird das interne Qualitätssicherungssystem einer Hochschule beurteilt. Bei der
institutionellen Akkreditierung begutachtet der Wissenschaftsrat im Auftrag der Länder die Hochschulförmigkeit nichtstaatlicher Hochschulen.
Quelle: Stiftung Akkreditierungsrat
Akkreditierungsrat
Die Stiftung Akkreditierungsrat mit Sitz in Bonn ist eine gemeinsame Einrichtung der Länder zur Qualitätssicherung in Studium und Lehre an deutschen Hochschulen. Der Akkreditierungsrat ist das zentrale Beschlussgremium und entscheidet über die
Akkreditierung und Re-Akkreditierung von Studiengängen (Programmakkreditierung), hochschuleigener Qualitätssicherungssysteme (
Systemakkreditierung) sowie alternativen Verfahren. Sowohl staatliche als auch private Hochschulen müssen durch diese Instanz akkreditiert werden, um die Qualität ihrer Studiengänge sicherzustellen.
Quelle: Stiftung Akkreditierungsrat
Alumni-Netzwerk
Ein zentrales Merkmal vieler privater Hochschulen ist die Pflege von Kontakten zu Absolventinnen und Absolventen (Alumni). Ein Netzwerk ehemaliger Studierender soll den Austausch der Hochschule mit der Berufspraxis sowie die berufliche Vernetzung auch für die aktuell Studierenden fördern. Die Hochschulen setzen dazu systematisch auf ein Alumni-Management.
Quelle: Mitterle, Alexander / Manfred Stock (2015): »Exklusive Hochschulen«, in: Sandra Rademacher / Andreas Wernet (Hg.), Bildungsqualen: Kritische Einwürfe wider den pädagogischen Zeitgeist, Springer, Wiesbaden, S. 185–206. DOI
Arbeitgeberfinanzierung
In einigen Fällen unterstützen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen im Rahmen eines Studiums an einer privaten Hochschule bei der Finanzierung. Dies kann in Form von direkten Zahlungen, die Übernahme der Studiengebühren, Bildungsurlaub oder anderen Unterstützungsmaßnahmen erfolgen.
Quelle: Engelke, Jens / Ulrich Müller / Ronny Röwert (2017): Erfolgsgeheimnisse privater Hochschulen. Wie Hochschulen atypische Studierende gewinnen und neue Zielgruppen erschließen können, CHE, Gütersloh. URL
B
BAföG
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) regelt die staatliche Unterstützung für Schülerinnen, Schüler und Studierende in Deutschland. Die Hauptziele des BAföG sind die Erhöhung der Chancengleichheit im Bildungswesen und die Mobilisierung von Bildungsreserven in einkommensschwächeren Bevölkerungsschichten. Studierende privater Hochschulen sind antragsberechtigt. Sie müssen lediglich beachten, dass ihre Hochschule staatlich anerkannt ist. Das bedeutet, dass sie offiziell akkreditiert sein muss und das Recht haben muss, Prüfungen abzunehmen und akademische Grade zu verleihen. Wie bei staatlichen Hochschulen wird auch bei privaten Hochschulen das eigene Einkommen und Vermögen sowie das der Eltern oder des Lebenspartners geprüft. Anspruchsberechtigt ist nur, wer nachweisen kann, dass die Ausbildung nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden kann.
Quelle: BAföG
Berufsbegleitendes Studium
Viele private Hochschulen bieten berufsbegleitende Studiengänge an. Diese sind so konzipiert, dass sie flexibel und an die Bedürfnisse von Berufstätigen angepasst sind. Oft wird die Studienzeit verlängert, um den Studierenden mehr Zeit für ihre beruflichen und privaten Verpflichtungen zu geben. Die Lehrmethoden können Präsenzveranstaltungen, Online-Lernmodule und Selbststudium umfassen. So ist es möglich, neben der beruflichen Tätigkeit ein Hochschulstudium zu absolvieren. Diese Studienform ist besonders attraktiv für Berufstätige, die sich weiterbilden oder eine neue Qualifikation erwerben möchten.
Quelle: Hansen, Mads / Ulf Banscherus / Yasmin Cherier / Jule Hoffmann / Helene Müller (2025): DGB-Hochschulreport 2025. Zwischen Stagnation und Dynamik. Studien- und Arbeitsbedingungen an staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen in Deutschland, DGB Bundesvorstand, Berlin. URL.
Betreiber/Betreiberin
Staatliche Hochschulen werden vom jeweiligen Sitzland errichtet und unterhalten. Hinter privaten Hochschulen dagegen stehen als Betreibende teilweise einzelne Personen oder Unternehmen (
Trägerschaft).
Quelle: Sandberger, Georg (2016): Governance-Modelle für nicht staatliche Hochschulen – zum Akkreditierungsleitfaden des Wissenschaftsrates, in: Ordnung der Wissenschaft 2/2016, S. 95–111. URL.
Bildungsfonds
Einige private Hochschulen arbeiten mit Bildungsfonds zusammen. Diese ermöglichen Studierenden eine einkommensabhängige Rückzahlung nach dem Studium. Das bedeutet, dass die Rückzahlung erst beginnt, wenn die Absolventinnen und Absolventen ein bestimmtes Einkommen erreichen. Die private Universität Witten/Herdecke bietet beispielsweise den „Umgekehrten Generationenvertrag” an. Während des Studiums müssen keine Studiengebühren gezahlt werden. Diese werden danach in Form von „Studienbeiträgen” abhängig vom realisierten Einkommen der Absolventinnen und Absolventen gezahlt.
Quelle: Universität Witten/Herdecke
Bildungsmarkt
In der Bildungsökonomie werden Bildungsanbieter und -nachfrager als Marktteilnehmer konzeptualisiert: staatliche und private Hochschulen als Anbieter sowie private Haushalte als Nachfrager. Bei Hochschulen ist jedoch von einem unvollkommenen Bildungsmarkt auszugehen, da sich das Angebot aus der politischen Steuerung und den eingeschränkten Marktmechanismen ergibt. So spielt die Preissteuerung bei staatlichen Hochschulen in Deutschland keine Rolle, da das Angebot meist kostenfrei ist und öffentlich finanziert wird. Private Hochschulen hingegen finanzieren sich überwiegend über Studiengebühren. Dadurch unterliegen sie stärker den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Die Preisgestaltung übernimmt hier eine steuernde Funktion, etwa bei der Ausrichtung von Studiengängen oder der Qualität des Angebots. Dadurch sind sie oft flexibler in der Gestaltung ihrer Programme und können schneller auf wirtschaftliche Trends oder Nachfrageveränderungen reagieren. Oft bieten sie spezialisierte Studiengänge oder praxisnahe Formate an, die auf bestimmte Branchen oder Berufsfelder zugeschnitten sind.
Quelle: Dill, David D. (1997): Higher education markets and public policy, in: Higher Education Policy 3/1997, S. 167-185. DOI.
Blended Learning
Bei Blended Learning, eine Lehr-Lern-Strategie, verbinden Studierende Vorlesungen und Seminaren vor Ort mit verschiedenen digitalen Lehr-Lern-Formen. Diese Kombination ermöglicht es ihnen, die Vorteile des direkten Austauschs mit Lehrenden und Mitstudierenden sowie die Flexibilität und Zugänglichkeit von Online-Ressourcen zu nutzen. Digitale Lernmodule bieten Studierenden beispielsweise die Möglichkeit, Aufgaben im eigenen Tempo zu bearbeiten. Ein typisches Beispiel für Blended Learning ist ein Kurs, bei dem die Studierenden einmal pro Woche an einer Vorlesung teilnehmen und zusätzlich Online-Module bearbeiten, die Videos, Quizze und Diskussionsforen umfassen. Dieses Format wird vor allem in berufsbegleitenden Studiengängen privater Hochschulen verwendet.
Quelle: Gegenfurtner, Andreas / Christian Ebner / Nina Schwab (2021): Blended Learning an der Hochschule, in: Jörg Noller / Christina Beitz-Radzio / Daniela Kugelmann / Sabrina Sontheimer / Sören Westerholz (Hg.), Studierendenzentrierte Hochschullehre: Von der Theorie zur Praxis, Springer, Wiesbaden, S. 179-194. DOI.
D
Dienstleistungsunternehmen
Private Hochschulen sind Unternehmen, die Studienangebote als Dienstleistungen anbieten. Ihre Ausrichtung basiert auf unternehmerischen, organisationsinternen Entscheidungen des Trägers und der Hochschulleitung, ohne dass es eine externe Steuerung durch die Wissenschaftsministerien, Parlamente in Bund und Ländern oder intermediäre Organisationen wie Kuratorien bzw. Hochschulräte gibt – also anders, als es bei staatlichen Hochschulen der Fall ist. Staatlich anerkannte private Hochschulen müssen bei ihrer Ausrichtung jedoch die Freiheit von Forschung und Lehre und Mindeststandards der Qualitätssicherung gewährleisten.
Quelle: Brockhoff, Klaus (2011): Erfolgsfaktoren privater Hochschulen, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft 4/2011, S. 5-31. DOI
Duales Studium
Einige Hochschulen bieten in Zusammenarbeit mit Unternehmen ausbildungs-, berufs- oder praxisintegrierte Studiengänge als duales Studium an. Die Studierenden wechseln dabei zwischen theoretischen Studienphasen und praktischen Phasen im Unternehmen. An privaten Hochschulen waren 2023 41 Prozent aller dual Studierenden in Deutschland eingeschrieben. Dabei stechen einzelne Hochschulen wie die IU Internationale Hochschule in Thüringen und die Duale Hochschule Baden-Württemberg heraus.
Quelle: Nickel, Sigrun / Anna-Lena Thiele (2024): CHECK – Duales Studium in Deutschland – Daten-Analyse 2024, CHE. URL.
E
E-Campus
Ein E-Campus, auch „virtueller Campus“ genannt, ist eine Hochschule oder Universität, die vollständig digital organisiert ist. Alle Angebote und die Organisation eines Studiums laufen über ein vollintegriertes digitales Campus-Management-System. Dabei werden Studienleistungen komplett online absolviert. Insbesondere im privaten Hochschulsektor werden solche Möglichkeiten mit dem wachsenden Fernstudienangebot immer häufiger bereitgestellt. Ein Beispiel für einen vollständig virtuellen Campus ist die German University of Digital Science mit Sitz in Potsdam.
Quelle: Hüsch, Marc (2024): Trend zum Fernstudium: Überblick über das aktuelle Studienangebot, die Entwicklung der Studierendenzahlen und Implikationen für die Hochschulforschung, in: Beiträge zur Hochschulforschung 2/2024, S. 10–33. URL.
Elite-Hochschulen
Laut Levy zeichnet sich der elitäre Hochschulsektor dadurch aus, dass sich diese tertiären Bildungseinrichtungen durch Auswahlprozesse und praktizierte Selektivität von anderen abgrenzen. Dadurch bieten sie eine Alternative, die qualitativ besser ist als das, was im öffentlichen Sektor angeboten wird („better“, Geiger 1986: 166). Levy und Geiger sehen diese Qualitätsdimension besonders im amerikanischen Privatsektor ausgeprägt, wenn es darum geht, bestimmte Einrichtungen zu rechtfertigen. Levy unterscheidet in diesem Bereich zwischen „world-class” und „semi-elite” Hochschultypen. Zu den Spitzenhochschulen zählen die akademisch weltweit führenden tertiären Bildungseinrichtungen wie die Ivy League in den USA, die Oxford University und die Cambridge University in Großbritannien oder die Yonsei University in Südkorea. In Deutschland existieren in diesem Sinne einige „semi-elite” Hochschulen, die auf nationaler Ebene ein hohes akademisches Niveau und Selektivität aufweisen. Beispiele hierfür sind die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar oder die Bucerius Law School in Hamburg.
Quelle:
Geiger, Roger L. (1986): Private sectors in higher education. Structure, function, and change in eight countries, The University of Michigan Press, Ann Abor.
Levy, Daniel C. (2024): A World of Private Higher Education, Oxford University Press, Oxford.
F
Fachgebundene Akkreditierung (von business schools)
Private Hochschulen für Wirtschaftswissenschaften setzen teilweise auf fachgebundene Akkreditierungssiegel, wie Zertifizierungen (z. B. durch die AACSB – Association to Advance Collegiate Schools of Business – oder die FIBAA – Foundation for International Business Administration Accreditation) oder Platzierungen in nationalen und internationalen Rankings (z. B. der Financial Times), die nach eigenen Kriterien Qualität, Reputation und Forschungserfolge messen. Über fachgebundene Akkreditierungen können sich Hochschulen mit anderen europäischen und internationalen Hochschulen vergleichbar machen und sich im eigenen Feld von anderen absetzen.
Quelle: Mitterle, Alexander / Manfred Stock (2015): »Exklusive Hochschulen«, in: Sandra Rademacher / Andreas Wernet (Hg.), Bildungsqualen: Kritische Einwürfe wider den pädagogischen Zeitgeist, Springer, Wiesbaden, S. 185–206. DOI.
Fernstudium
Dieses
Studienformat zeichnet sich durch überwiegend digitale Lehre und Selbststudium aus. Sie ist ortsunabhängig und wird oft digital oder über Studienbriefe organisiert. Sie spielt eine besondere Rolle bei berufsbegleitenden Studienangeboten und beim lebenslangen Lernen. Die IU Internationale Hochschule mit Hauptsitz in Erfurt bietet derzeit mit 141 Studienangebote dieser Art die meisten (2023: 14 % aller Angebote), gefolgt von der AKAD University mit Sitz in Stuttgart (2023: 7 %) und der Wilhelm Büchner Hochschule mit Sitz in Darmstadt (2023: 6 %).
Quelle: Hüsch, Marc (2024): Trend zum Fernstudium: Überblick über das aktuelle Studienangebot, die Entwicklung der Studierendenzahlen und Implikationen für die Hochschulforschung, in: Beiträge zur Hochschulforschung 2/2024, S. 10–33. URL.
Franchise-Hochschule
Beim Franchising erbringt die tertiäre Bildungseinrichtung Lehr- und Prüfungsleistungen nach den Vorgaben der gradverleihenden Hochschule. Die franchisegebende Hochschule trägt zu jeder Zeit die Verantwortung für die Einhaltung der akademischen Standards, insbesondere für die inhaltliche, didaktische und lernzielorientierte Entwicklung und Durchführung des Lehrangebots sowie dessen strukturelle und zeitliche Festlegung auf der Grundlage der maßgeblichen Studien- und Prüfungsordnungen. Dies unterscheidet das Franchising von der Anrechnung von Studien- und Prüfungsleistungen an öffentlichen Hochschulen. Im privaten Hochschulsektor bietet beispielsweise die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in After bei Bonn den Master of Education „Pädagogische Praxisforschung“ in Kooperation mit dem gradverleihenden Rudolf Steiner University College in Oslo (Norwegen) an.
Quelle: Hochschulrektorenkonferenz.
H
Hochschulmarketing
Marketing umfasst alle Maßnahmen, die ein Unternehmen ergreift, um Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, zu bewerben, zu verkaufen und Kundenbeziehungen zu pflegen. Für private Hochschulen ist das Studienangebot das Produkt und sind die Studierenden die Kundinnen und Kunden. Strategien des Hochschulmarketings privater Hochschulen sind beispielsweise Markterkundungen und die Entwicklung daran angepasster Studiengänge.
Quelle: Wu, Terry / Vik Naidoo (Hg.) (2016): International Marketing of Higher Education, Palgrave Macmillan, New York.
Hochschulranking
Historisch haben sich Hochschulrankings aus vergleichenden Informationssystemen zu Studienbedingungen an Hochschulen zu Bewertungssystemen des Leistungsvergleichs entwickelt. Was als Orientierungshilfe für Studieninteressierte, Hochschulen, Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger begann, ist heute eine kriterienbasierte Vermessung der Qualität von Lehre, Forschung, Ausstattung und weiteren Aspekten der Hochschulen. Zu den Bewertungskriterien zählen die Studienbedingungen (z. B. Betreuungsverhältnis, Ausstattung), die Forschungsleistung (z. B. Publikationen, Drittmittel) sowie Internationalität und Praxisbezug. Ein bekanntes Beispiel in Deutschland ist das CHE-Hochschulranking, das auf Befragungen und numerischen Daten basiert und Ranggruppen statt Einzelplatzierungen verwendet. Private Business Schools setzen dagegen häufiger auf internationale Rankings der Financial Times oder des Dienstleisters Quacquarelli Symonds.
Quelle: Oberschelp, Axel (2025): Leistungsmessung und -steuerung, in: Peer Pasternack / Gabi Reinmann / Christian Schneijderberg (Hg.), Hochschulforschung. Forschung über Hochschule und Wissenschaft, Nomos, Baden-Baden, S. 601-611. DOI.
Hochschultyp Aufwerter
Zu diesem Begriff zählen in einer vom Stifterverband entwickelten Typologie privater Hochschule in erster Linie
Fachhochschulen in Deutschland mit einem engen Angebot, das überwiegend auf dem grundständigen akademischen Niveau angesiedelt ist. Die Hochschulen bieten oft Fächer an, die aus der Akademisierung früherer Lehrberufe entstanden sind. Sie sind in der Regel auf die Fachbereiche Gesundheit, IT und Medien/Gestaltung, kaufmännische Berufe oder Handwerk spezialisiert. Da sie ihre Einnahmen vor allem aus
Studiengebühren decken, sind sie in den meisten Fällen klar lehrorientiert. Dieser Typus umfasst im Jahr 2019 47 Hochschulen mit einem Studierendenanteil von 16 % des privaten Hochschulsektors. Beispiele für tertiäre Bildungseinrichtungen sind die SRH FH für Gesundheit in Gera, die EBZ Business School in Bochum und die ESAB Fachhochschule für Sport und Management in Potsdam.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Hochschultyp Berufsorientierte
In der vom Stifterverband entwickelten Typologie privater Hochschule in Deutschland bilden jene
Fachhochschulen die größte Gruppe, die sich durch effiziente und arbeitsmarktorientierte Studiengänge auszeichnen. Oft arbeiten sie in enger Partnerschaft mit ortsansässigen Unternehmen. Ihr Angebotsspektrum ist breit gefächert und reicht vom grundständigen Studium bis hin zu Masterstudiengängen. Die Hochschulen haben in der Regel keine Investoren und müssen ihre Einnahmen vor allem aus
Studiengebühren decken. Daraus ergibt sich eine starke Lehrorientierung. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2019 gehörten zu diesem Hochschultyp 34 Einrichtungen, die 51 % aller privat Studierenden ausmachten. Dazu zählen die HSBA in Hamburg, die Private Hochschule Göttingen und die Munich Business School in München.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Hochschultyp Flexible
Die Fachhochschulen dieses vom Stifterverband entwickelten Hochschultyps privater Hochschulen in Deutschland sprechen mit ihren breit gefächerten Fernstudienangeboten und berufsbegleitenden bzw. berufsintegrierten Studienformaten insbesondere Personen mit einem hohen Flexibilitätsbedürfnis an. Sie ermöglichen diesen somit oft erst den Zugang zu Hochschulbildung, überwiegend auf grundständigem akademischem Niveau. Im Vergleich zu den Hochschultypen „Aufwerter” und „Berufsorientierte” sind diese
privaten Fachhochschulen zumeist nicht investorenfinanziert. Sie sind daher vor allem auf Einnahmen aus
Studiengebühren angewiesen und somit klar lehrorientiert aufgestellt. Im Jahr 2019 gehörten zwölf Hochschulen zu diesem Hochschultyp, die einen Studierendenanteil von 26 Prozent des privaten Hochschulsektors ausmachten. Zu diesem Hochschultyp zählen die Hochschule Fresenius, die Europäische Fernhochschule (Euro-FH) in Hamburg und die AKAD Hochschule mit Sitz in Stuttgart.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Hochschultyp Humboldtianer
Unter den vom Stifterverband entwickelten Hochschultypen privater Hochschulen verfügen die
privaten Universitäten dieser Gruppe wie die staatlichen Universitäten in Deutschland über das Promotionsrecht und ein breites Angebot an Studienfächern. Sie arbeiten auf vergleichbarem akademischem Niveau wie Hochschulen des
Hochschultyps „Spezialisten”, legen aber, anders als diese, großen Wert auf Multi- und Interdisziplinarität mit dem Ziel der fachübergreifenden Entwicklung von Kompetenzen in Forschung und Lehre. Im Jahr 2019 zählten vier Universitäten zu diesem Hochschultyp. An ihnen studierten zusammen drei Prozent der Studierenden im privaten Hochschulsektor. Zu den privaten Universitäten zählen die Constructor University in Bremen und die Universität Witten-Herdecke.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Hochschultyp Spezialisten
Zu dieser Gruppe zählt der Stifterverband in seiner Hochschultypologie privater Hochschulen
Universitäten und Hochschulen mit Promotionsrecht. Mit einem fokussierten Angebot betreiben sie Forschung und Lehre auf universitärem Niveau mit akademischem Anspruch. Sie fokussieren sich dabei auf einen Fachbereich wie Wirtschaft, Rechtswissenschaften oder Public Policy. Im Jahr 2019 gehörten neun Hochschulen mit einem Studierendenanteil von vier Prozent des privaten Hochschulsektors dazu. Zu diesem Hochschultyp zählen beispielsweise die Bucerius Law School in Hamburg, die Hertie School of Governance in Berlin und die Kühne Logistics University in Hamburg.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (Fächergruppe)
Der Studienfachbereich Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften ist an privaten Hochschulen der drittgrößte. Das Statistische Bundesamt weist für das Wintersemester 2023/2024 insgesamt 41.165 Studierenden in diesem Bereich aus. Insgesamt umfasst die Fächergruppe Studienfächer wie Allgemeinmedizin, Zahnmedizin, Gesundheitspädagogik, Gesundheitswissenschaft/-management, Nichtärztliche Heilberufe/Therapien und Pflegewissenschaft/-management. Studierende im Studienfach Medizin sind beispielsweise an der HMU Health and Medical University mit Sitz in Erfurt, an der Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane oder der Universität Witten/Herdecke.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026): Private Hochschulen 2024, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. URL.
I
Identitätsorientierter Hochschulsektor (identity)
Im globalen Maßstab zählt die große Mehrheit der privaten Hochschulen zum sogenannten identitätsorientierten Hochschulsektor. Laut Levy sind solche Bildungseinrichtungen für Minderheiten (z. B. Angehörige einer Religion, ethnische Gruppen) von zentraler Bedeutung. Sie verfolgen eine entsprechende Mission. In diesem Bereich unterscheidet Levy zwischen dem konfessionellen Hochschultyp (religious), der sich an bestimmten religiösen Werten orientiert, dem genderbezogenen Hochschultyp (gender), der häufig das Anliegen der Förderung von Frauen verfolgt, und dem ethnisch ausgerichteten Hochschultyp (ethnic), der sich an bestimmten ethnischen Minderheiten orientiert. Geiger beschreibt einen vergleichbaren Typus als „different” (1986: 10), da diese Hochschulen bestimmten Gruppen Bildung nach eigenen Maßstäben bieten.
Quelle:
Geiger, Roger L. (1986): Private sectors in higher education. Structure, function, and change in eight countries, The University of Michigan Press, Ann Abor.
Levy, Daniel C. (2024): A World of Private Higher Education, Oxford University Press, Oxford.
Ingenieurwissenschaften (Fächergruppe)
Der zweitgrößte Studienfachbereich an privaten Hochschulen sind die Ingenieurwissenschaften. Laut dem Statistischen Bundesamt waren im Wintersemester 2023/2024 insgesamt 51.309 Studierende im Fachbereich Ingenieurwissenschaften an einer privaten Hochschule eingeschrieben.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026): Private Hochschulen 2024, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. URL.
Institutionelle Akkreditierung
Der Wissenschaftsrat führt im Auftrag der Länder die institutionelle Akkreditierung privater Hochschulen nach einem eigenen Leitfaden durch. Das Hauptkriterium im Begutachtungsprozess ist die Hochschulförmigkeit. Dabei werden Aspekte wie Governance, Organisation und Qualitätsmanagement, Personal, Forschung, Kunstausübung und gestalterische Entwicklung, räumliche und sächliche Ausstattung sowie Wirtschaftlichkeit und strategische Planung betrachtet und bewertet. Der Wissenschaftsrat akkreditiert bzw. reakkreditiert die Hochschulen für einen befristeten Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Die Akkreditierung kann auflagenfrei oder mit Auflagen erfolgen oder ggf. auch versagt werden.
Quelle: Wissenschaftsrat (2022): Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, Drs. 9837-22, Wissenschaftsrat, Köln. DOI.
K
Kirchliche Hochschule
Bei den nichtstaatlichen Hochschulen wird nach der
Trägerschaft zwischen privaten und kirchlichen Hochschulen unterschieden. Aktuell zählen 38 tertiäre Bildungseinrichtungen zu den staatlich anerkannten kirchlichen Hochschulen, davon haben zehn Hochschulen das Promotionsrecht. Der Schwerpunkt des Fächerangebots liegt auf Theologie, Philosophie, soziale Arbeit, Pflegewissenschaft und Pädagogik. Insgesamt sind 31.092 Studierenden im Wintersemester 2024/2025 an kirchlichen Hochschulen eingeschrieben. Neben der Trägerschaft ist eine weitere zentrale Differenz zu privaten Hochschulen der Sachverhalt, dass in einigen
Landeshochschulgesetzen Zuschüsse aus dem Landeshaushalt für den laufenden Betrieb von bis zu 80 % des tatsächlichen, nachgewiesenen Personal- und Sachaufwands geregelt sind. Diese staatliche Refinanzierung gilt jedoch nicht für alle kirchlichen Hochschulen. Ausgenommen sind beispielsweise die FH der Diakonie Bielefeld oder die Theologische Hochschule Friedensau.
Quelle: Hochschulkompass.
Kunde/Kundin (Studierende)
Aus unternehmerischer Sicht müssen Kunden gewonnen und gehalten werden, um Produkte abzusetzen. Dazu gehört, organisationsintern alle Mitglieder auf die Kundenzufriedenheit zu fokussieren und ein sogenanntes „customer mindset“ auszubilden. Übertragen auf den Hochschulbereich adressiert das
Marketing privater Hochschulen Studierende als Kunden. Beispielsweise werden mit der Studienberatung an einer Privathochschule neue Kunden, also Studieninteressierte, gewonnen. Die Verwaltung und das Lehrpersonal betreuen die eingeschriebenen Studierenden hingegen durch eine förderliche Lernumgebung.
Quelle: Guilbault, Melodi (2016): Students as customers in higher education: reframing the debate, in: Journal of Marketing for Higher Education 2/2016, S. 132-142. DOI.
Künstlerisch-gestalterische Hochschulen
Künstlerisch-gestalterische Hochschulen bieten Studiengänge in den Bereichen Bildende Kunst, Gestaltung, Musik, Schauspielkunst, Medien, Film und Fernsehen an. In der Regel sind die Aufnahmebedingungen an Begabungsnachweise oder Eignungsprüfungen gebunden. In Deutschland gibt es drei private Kunsthochschulen. Private Hochschulen mit einem breiten Angebot an Studiengängen bieten zudem einzelne Studiengänge wie Design, Filmmaking, Illustration etc.
L
Landeshochschulgesetz
Die Landeshochschulgesetze bilden die gesetzliche Grundlage für den Hochschulbetrieb in den jeweiligen Bundesländern. In den meisten Landeshochschulgesetzen wird beispielsweise die
institutionelle Akkreditierung privater Hochschulen geregelt.
Quelle: Wissenschaftsrat (2022): Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, Drs. 9837-22, Wissenschaftsrat, Köln. DOI.
M
Musterparagraph
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2020 einen Musterparagrafen für landesrechtliche Regelungen zur
institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen beschlossen. Dieser enthält Empfehlungen, wie die Qualitätssicherung nichtstaatlicher Hochschulen länderübergreifend rechtssicher gestaltet werden kann. Auf dieser Grundlage hat der Wissenschaftsrat (WR) den Leitfaden zur institutionellen Akkreditierung überarbeitet.
Quelle: Wissenschaftsrat (2022): Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, Drs. 9837-22, Wissenschaftsrat, Köln. DOI.
N
Nichtelitärer Hochschulsektor (non-elite)
Laut Levy zählen zum sogenannten nichtelitären Hochschulsektor vom Staat anerkannte private Hochschulen mit einem breit gefächerten tertiären Bildungsangebot. Er unterscheidet zwischen nachfrageabsorbierenden und produktorientierten Hochschultypen. Nachfrageabsorbierende Hochschulen bieten Studiengänge an, die von öffentlichen Hochschuleinrichtungen nicht abgedeckt werden. Dabei konzentrieren sich diese Angebote auf den Zugang zu Qualifikationsnachweisen in kostengünstig bereitzustellenden Bereichen. Laut Geiger (1986) entspricht dies der „more“-Orientierung (Geiger 1986: 10) privater Hochschulen, die ein Angebot für die allgemein gestiegene Nachfrage nach Hochschulabschlüssen bereitstellen. Der produktorientierte Hochschultyp bietet hingegen vor allem berufsorientierte Studienangebote. Sie vermitteln Studierenden beruflich relevante Fähigkeiten und Kontakte zu Unternehmen und Arbeitgebern. In Deutschland zählen dazu häufig die eher auf bestimmte Berufe und technisch ausgerichteten Fachhochschulen. Kennzeichnend für sie ist zugleich, dass sie mit einem professionellen Management und „unternehmerischem Ehrgeiz” (Levy 2024: 211) sowie fokussiert auf die Bedürfnisse der Studierenden agieren. Roger Geiger (1986: 10) spricht in diesem Zusammenhang vom „distinctive“ Hochschultyp (Geiger 1986: 10), der sich am Bedarf der Studierenden orientiert und in Nischen einrichtet.
Quelle:
Geiger, Roger L. (1986): Private sectors in higher education. Structure, function, and change in eight countries, The University of Michigan Press, Ann Abor.
Levy, Daniel C. (2024): A World of Private Higher Education, Oxford University Press, Oxford.
Nichtstaatliche Hochschule
Nichtstaatliche Hochschulen sind tertiäre Bildungseinrichtungen, die nicht durch eine staatliche Instanz (Land, Bund oder Landes- bzw. Bundeseinrichtungen) getragen werden. Hierzu gehören in Deutschland private und kirchliche Hochschulen, d.h. solche, die einen privaten Träger haben oder von Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften getragen werden.
Quelle: Wissenschaftsrat (2022): Leitfaden der Institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen, Drs. 9837-22, Wissenschaftsrat, Köln. DOI.
Nischenangebot
Die meisten öffentlichen Hochschulen bieten ein breites Spektrum an Präsenzstudiengängen. Aufgrund von Zulassungsvoraussetzungen und -beschränkungen können jedoch nicht alle Studieninteressierten ein Studium an einer staatlichen Hochschule aufnehmen. Ebenso bieten staatliche Hochschulen in der Regel keine Netzwerke zu Unternehmen an. Nichtstaatliche Hochschulen (im Besonderen der
nichtelitäre Hochschulsektor (non-elite)) gehen darauf häufig ein und halten spezielle Studienangebote sowie Unternehmensnetzwerke bereit. Zu den Nischenangeboten zählen oft die dualen und die
berufsbegleitenden Studienangebote sowie die
Fern- und
Teilzeitstudienmöglichkeiten.
Quelle: Engelke, Jens / Ulrich Müller / Ronny Röwert (2017): Erfolgsgeheimnisse privater Hochschulen. Wie Hochschulen atypische Studierende gewinnen und neue Zielgruppen erschließen können, CHE, Gütersloh. URL
O
Ordenshochschule
Ordenshochschulen sind theologische Hochschulen, die von einem katholischen Orden oder Bistum getragen und ausschließlich von ihren Trägern finanziert werden. Als
kirchliche Hochschulen bieten sie ausschließlich theologisch-philosophische Studiengänge an. Ihre Hauptaufgabe ist die Ausbildung des Ordens- und Priesternachwuchses und die Vermittlung christlicher Werte und Theologie. Historisch gesehen gehen sie auf klösterliche Bildungseinrichtungen des Mittelalters zurück. Aktuell vertritt die Arbeitsgemeinschaft der Ordenshochschulen (AGO) der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) die gemeinsamen Interessen von fünf Hochschulen, die allesamt kirchlich und staatlich anerkannt sind und zum Teil Promotionsrecht besitzen.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Ordenshochschulen
P
Praxisorientiertes Studium
Ein praxisorientiertes Studium ist eng mit praktischen Erfahrungen in Unternehmen oder anderen Organisationen verknüpft. Private Hochschulen bieten häufig Studiengänge, die auf eine berufliche Verwertbarkeit angelegt sind. Sie verbinden damit in der Regel das Versprechen, dass Absolventinnen und Absolventen das Studium mit einer höheren Beschäftigungsfähigkeit (Employability) abschließen.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Private Fachhochschule
Im Vergleich zu Universitäten sind Fachhochschulen bzw. (im öffentlichen Bereich) Hochschulen für angewandte Wissenschaften stärker lehrorientiert und auf anwendungsbezogene Forschung ausgerichtet. Diese Hochschulart macht mit einem Anteil von 76 % die absolute Mehrheit privater Hochschulen aus. Viele dieser Einrichtungen sind aus Weiterbildungseinrichtungen hervorgegangen und bieten vorwiegend Studiengänge in den Fachbereichen Rechts-, Wirtschafts- und Angewandten Sozialwissenschaften an.
Quelle: Hachmeister, Cort-Denis / Melanie Rischke / Isabel Roessler / Hendrik Berghäuser / Henning Kroll (2024): Nicht staatliche Hochschulen im Innovationssystem – Strukturanalyse und Clusterung privater und kirchlicher Hochschulen. CHE Impulse Nr. 15. Fraunhofer ISI, CHE, Karlsruhe; Gütersloh. URL.
Private Hochschule
Privathochschulen werden nicht vom Bund oder Land, sondern durch private Träger finanziert. Diese können Einzelpersonen, Stiftungen, Vereine und/oder Unternehmen sein. Es gab 118 dieser Hochschulen 2024 in Deutschland.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026): Private Hochschulen 2024, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. URL.
Private Universität
Im Unterschied zu Fachhochschulen sind Universitäten stärker auf Forschung ausgerichtet, die zugleich häufiger grundlagenorientiert ist. Unter den privaten Hochschulen ist dieser Hochschultyp mit 19 % aller Einrichtungen in der Minderzahl. Die privaten Universitäten unterscheiden sich voneinander dadurch, dass einige ein breites Angebot an Studienfächern vorhalten, während die Mehrheit Studienschwerpunkte in bestimmten Fächergruppen anbietet. Der vom Stifterverband entwickelte
Hochschultyp „Spezialisten“ bieten vor allem Studiengänge der Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften oder Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften an.
Quelle: Hachmeister, Cort-Denis / Melanie Rischke / Isabel Roessler / Hendrik Berghäuser / Henning Kroll (2024): Nicht staatliche Hochschulen im Innovationssystem – Strukturanalyse und Clusterung privater und kirchlicher Hochschulen. CHE Impulse Nr. 15. Fraunhofer ISI, CHE, Karlsruhe; Gütersloh. URL.
Produkt (Studienangebot)
Private Hochschulen agieren als Unternehmen und bezeichnen das Studium organisationsintern als Produkt. Aus unternehmerischer Sicht sind die Studienangebote das Produkt bzw. die Dienstleistung, die von den Studierenden (
Kunden/Kundinnen) nachgefragt werden. Insbesondere die Hochschulleitung bis hin zu den Studienberatenden adressieren Studienangebote als Produkte der Hochschule.
Quelle: Slaughter, Sheila / Gary Rhoades (2004) Academic capitalism and the new economy: markets, state, and higher education, Johns Hopkins University Press, Baltimore.
Promotionsrecht
Einige private Hochschulen verfügen über ein eigenständiges Promotionsrecht. Sie sind somit berechtigt, den Doktorgrad zu verleihen. An den 13 privaten Universität mit Promotionsrecht wurden im Jahr 2021 insgesamt 304 Promotionen abgeschlossen. Unter den privaten Fachhochschulen sind einige in Kooperation mit einer Universität oder in einem Promotionskolleg als übergreifender Verbund staatlicher Fachhochschulen eines Landes organisiert.
Quelle: Hachmeister, Cort-Denis / Melanie Rischke / Isabel Roessler / Hendrik Berghäuser / Henning Kroll (2024): Nicht staatliche Hochschulen im Innovationssystem – Strukturanalyse und Clusterung privater und kirchlicher Hochschulen. CHE Impulse Nr. 15. Fraunhofer ISI, CHE, Karlsruhe; Gütersloh. URL.
R
Rechtsform
In der Regel sind staatliche Hochschulen Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ihre Rechtsstellung und Aufsicht sind im Hochschulrahmengesetz (HRG) in den §§ 58 und 59 geregelt. Die rechtliche Verfasstheit privater Hochschulen umfasst dagegen Rechtsformen wie die Stiftung, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) oder den Verein (e. V.).
Quelle: Wissenschaftsrat (2012): Private und kirchliche Hochschulen aus Sicht der Institutionellen Akkreditierung, Wissenschaftsrat, Köln. URL.
Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fächergruppe)
Mit Abstand am häufigsten wird an privaten Hochschulen der Studienfachbereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften absolviert. Im Wintersemester 2023/2024 studierten insgesamt 255.253 Personen in diesem Bereich, d.h. 68 Prozent der Studierenden an privaten Hochschulen.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026): Private Hochschulen 2024, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden. URL.
S
Staatliche Anerkennung
Hochschulen, die sich nicht in der Trägerschaft eines Bundeslandes befinden, können vom zuständigen Landesministerium staatlich anerkannt werden, wenn sie erfolgreich eine
institutionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat durchlaufen haben. Die Voraussetzungen hierfür, beispielsweise die Gewährleistung der wissenschaftlichen Qualität eines Studiums an einer Privathochschule, sind in den Landeshochschulgesetzen geregelt, beispielsweise in § 70 LHG BW, Art. 76 BayHSchG, § 123 BerlHG, § 114 HmbHG, § 91 HessHG, § 72 NRWHG, § 76 SchlHHSG und § 101 ThürHG. Mit der staatlichen Anerkennung darf die Hochschule vergleichbar zu den öffentlichen Hochschulen in Deutschland anerkannte Studienabschlüsse vergeben. Ohne staatliche Anerkennung können nur eigene Zertifikate ausgestellt werden, bei ausländischen Hochschulablegern auch Studienabschlüsse des jeweiligen Ursprungslandes.
Quelle: Würtenberger, Thomas (2021): Zur Reform der staatlichen Anerkennung und der institutionellen Akkreditierung privater Hochschulen, in: Ordnung der Wissenschaft 2/2021, S. 217-232.
URL.
Stipendien
Es gibt zahlreiche Stipendienangebote im öffentlichen und privaten Bereich mit unterschiedlichen Anforderungskriterien. Ein Stipendium muss im Gegensatz zu einem
Studienkredit nicht zurückgezahlt werden, was ein entscheidender Vorteil ist. Einige private Hochschulen bieten eigene Stipendien an, die sich nach akademischen Leistungen, besonderen Fähigkeiten oder finanziellen Bedürfnissen richten. Diese können die
Studiengebühren ganz oder teilweise abdecken, sind jedoch oft an bestimmte Bedingungen geknüpft, wie beispielsweise das Erreichen bestimmter Noten. Die PFH Private Hochschule Göttingen bietet beispielsweise 20 Teilstipendien pro Studienstart an. Mit diesen werden die Studiengebühren in Höhe von 200 Euro pro Monat über die gesamte Dauer des Bachelorstudiums reduziert. Voraussetzungen sind das Bestehen des Aufnahmetests, ein überdurchschnittliches Abitur bzw. Fachhochschulreife und besonderes Engagement über das Schulleben hinaus.
Quelle: Stipendienlotse
Studienformat
Studienformate bilden die strukturellen Rahmenbedingungen eines Studienangebots. Sie legen fest, wie und wann Lehrveranstaltungen stattfinden, welche Methoden des Lernens und Lehrens angewendet werden und wie Studieninhalte vermittelt werden. Zu den gängigen Studienformaten zählen das
Vollzeitstudium, das
Teilzeitstudium, das
Fernstudium, das
duale Studium und das
berufsbegleitende Studium. Viele private Hochschulen passen ihre Studienformate an die Bedürfnisse der Studierenden an, sodass vor allem das Angebot an Fern-, Teilzeit- und berufsbegleitenden Studiengängen wächst.
Quelle: Frank, Andrea / Antonia Kröger / Julia Krume / Volker Meyer-Guckel (2020): Private Hochschulen: Entwicklungen im Spannungsfeld von akademischer und gesellschaftlicher Transformation, Edition Stifterverband, Essen. URL.
Studienfinanzierung
Zur Studienfinanzierung verweisen private Hochschulen auf staatliche Unterstützungsmöglichkeiten und bieten teilweise eigene Formen der finanziellen Unterstützung an, entweder in Eigenregie oder in Zusammenarbeit mit externen Partnern. Zu den Angeboten zählen Finanzierungen über den Arbeitgeber (
Arbeitgeberfinanzierung), das Bundesausbildungsförderungsgesetz (
BAföG),
Bildungsfonds,
Stipendien und
Studienkredite.
Studiengebühr
Die Studiengebühr ist vom Semesterbeitrag zu unterscheiden. Letzterer ist eine Pflichtabgabe der Studierenden zur Finanzierung der Studierendenvertretung, des Studentenwerks, des Semestertickets und weiterer Verwaltungskosten. Die Studiengebühr ist eine individuell zugeordnete Bildungsbeteiligung. Im Durchschnitt kostete 2024 ein Bachelorstudium in der Regelstudienzeit an einer privaten Hochschule 20.307 €. Die Spannweite der Gebühren für ein Studium reichte von 3.575 € bis 60.000 €.
Quelle: Hansen, Mads / Ulf Banscherus / Yasmin Cherier / Jule Hoffmann / Helene Müller (2025): DGB-Hochschulreport 2025. Zwischen Stagnation und Dynamik. Studien- und Arbeitsbedingungen an staatlichen und nicht-staatlichen Hochschulen in Deutschland, DGB Bundesvorstand, Berlin. URL.
Studienkredit
Studienkredite sind eine Möglichkeit, die Kosten für ein Studium an einer privaten Hochschule zu finanzieren. Diese werden in der Regel von Banken oder spezialisierten Kreditinstituten angeboten und müssen nach Abschluss des Studiums zurückgezahlt werden. Die Konditionen variieren je nach Anbieter. Mit einem KfW-Studienkredit beispielsweise kann aktuell das Studium mit bis zu 650 € im Monat gefördert und der Kredit später flexibel zurückgezahlt werden.
Quelle: Kreditanstalt für Wiederaufbau
Systemakkreditierung
Bei der Systemakkreditierung wird das interne Qualitätssicherungssystem einer Hochschule durch eine von ihr ausgewählten und vom
Akkreditierungsrat zugelassenen Agentur bewertet. Das Ziel besteht darin, nachzuweisen, dass die Hochschule die in der Musterrechtsverordnung festgelegten formalen und fachlich-inhaltlichen Kriterien systematisch erfüllt. Ein wirksames Qualitätsmanagementsystem muss regelmäßige Bewertungen der Studiengänge sowie aller für Lehre und Studium relevanten Leistungsbereiche vorsehen. Dabei sind interne und externe Studierende, wissenschaftliche Expertinnen und Experten, Vertreterinnen und Vertreter der Berufspraxis sowie Absolventinnen und Absolventen beteiligt. Nach einer erfolgreich abgeschlossenen
Systemakkreditierung darf die Hochschule das Siegel des Akkreditierungsrats für ihre selbst geprüften Studiengänge vergeben.
Quelle: Stiftung Akkreditierungsrat
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T
Teilzeitstudium
Ein Teilzeitstudium ist ein flexibles
Studienformat, das es Studierenden ermöglicht, neben dem Studium zu arbeiten oder anderen Verpflichtungen nachzugehen. Die Studienbelastung ist pro Semester reduziert und die Lehrveranstaltungen finden zumeist abends oder am Wochenende statt. Im Wintersemester 2023/24 studierten an privaten Hochschulen 114.408 Personen in Teilzeit. Das entsprach einem Anteil von 34 % aller Privatstudierenden.
Quelle: Hachmeister, Cort-Denis / Melanie Rischke / Isabel Roessler / Hendrik Berghäuser / Henning Kroll (2024): Nicht staatliche Hochschulen im Innovationssystem – Strukturanalyse und Clusterung privater und kirchlicher Hochschulen. CHE Impulse Nr. 15. Fraunhofer ISI, CHE, Karlsruhe; Gütersloh. URL.
Trägerschaft
Hochschulen werden nach ihrer Trägerschaft unterschieden: Dabei gibt es grundsätzlich staatliche und
nichtstaatliche Hochschulen. Staatliche Hochschulen sind alle tertiären Bildungseinrichtungen, die sich in der Trägerschaft einer Gebietskörperschaft, i.d.R. eines Landes befinden und in dessen
Landeshochschulgesetz als Hochschulen des Landes benannt sind. Die Träger nichtstaatlicher Hochschulen sind Privatpersonen, Unternehmen, Religionsgemeinschaften oder weltanschauliche Gruppierungen. Zu den nichtstaatlichen Hochschulen zählen kirchlich getragene und privat getragene Hochschulen.
Quelle: Wissenschaftsrat (2012): Private und kirchliche Hochschulen aus Sicht der Institutionellen Akkreditierung, Wissenschaftsrat, Köln. URL.
V
Vollzeitstudium
Beim Vollzeitstudium, einem traditionellen
Studienformat, widmen die Studierenden im Grundsatz ihre gesamte Zeit dem Studium (abzüglich der Zeit für Jobs zur Lebensunterhaltssicherung, was in Deutschland bei über der Hälfte der Studierenden der Fall ist). Die Lehrveranstaltungen finden in der Regel tagsüber als Präsenzveranstaltungen statt.
Verband der Privaten Hochschulen
Der Verband der Privaten Hochschulen e. V. (VPH) ist die Interessenvertretung der
privaten Hochschulen mit Sitz in Berlin. Er wurde im Jahr 2004 gegründet und repräsentiert derzeit 85 private Hochschulen in Deutschland. Er organisiert den Austausch zwischen den Hochschulen, bearbeitet in unterschiedlichen Ausschüssen, Arbeitskreisen und Landesgruppen inhaltlich relevante Themen und vertritt die Interessen der Hochschulen mit Positionspapieren und Stellungnahmen gegenüber Politik und Gesellschaft nach außen.
Quelle: Verband der Privaten Hochschulen.